SÜDSUDAN

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Im Juli 2012 – wenige Tage nach dem ersten Jahrestag der Gründung der „Republic of South Sudan“ – reisten wir zum ersten Mal in den Südsudan und kamen mit den Kukú-people in Kontakt. Von Anfang an lernten wir sie als äußerst friedliebende, fröhliche und gastfreundliche Zeitgenossen kennen, die froh darüber sind, endlich wieder im Land ihrer Ahnen leben zu können. Der Großteil von ihnen lebt in bescheidenen Verhältnissen in einfachen Lehmhütten als Kleinbauern – eine Lebensweise, die sie durch den fruchtbaren Boden und ausreichende Niederschläge erstaunlich unabhängig sein lässt.

Der jahrzehntelange Südsudan-Konflikt hat in der Region Kajo-Keji (an der Südgrenze des Landes nach Uganda) jedoch deutlich seine Spuren hinterlassen. Ohne detaillierter auf diverse Konflikte und Bürgerkriege bzw. humanitäre Tragödien des letzten Jahrhunderts einzugehen, möchten wir an dieser Stelle nur erwähnen,  dass die Bevölkerung des Südsudans bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur immer wieder von unterschiedlichsten Gruppen aus unterschiedlichsten Motiven in ebenso unterschiedlichsten Auseinandersetzungen unterdrückt und bekämpft wurde, sondern auch nachhaltig an der weiteren Entwicklung und Erhaltung der eigenen Kultur gehindert wurde. (vgl. MAYR, S.59ff) Dass dabei auch die Entwicklung jeglicher Infrastruktur verhindert wurde, versteht sich von selbst. Schlechte Straßen, kein Stromnetz und mangelnder Handy-Empfang erschweren das Alltagsleben für uns verwöhnte gelatats zwar, stellen jedoch eigentlich nur die oberflächlichen Unannehmlichkeiten dar. Viel tiefschürfender wirken sich Korruption, Schulen mit mangelhaft ausgebildetem Lehrpersonal und kaum vorhandenen Unterrichtsmaterialien sowie die schlechte medizinische Grundversorgung aus: Knapp die Hälfte der Bevölkerung (44,4%) ist jünger als 14 Jahre, nur 27% aller über 15-Jährigen kann Lesen und Schreiben, die Kindersterblichkeit liegt über 7%. (vgl. CIA-world-factbook)

Unsere Kukú-Freunde blicken trotzdem ausgesprochen zuversichtlich in die Zukunft: sie sind froh, dass der Krieg endlich vorbei ist und die „Republic of South Sudan“ seit 9. Juli 2011 ein unabhängiger Staat ist, den es jetzt neu aufzubauen gilt. Es liegt jedoch klar auf der Hand, dass die infrastrukturelle Weiterentwicklung in einem  Land, dessen ländliche Bevölkerung zum Großteil im Exil bzw. in Flüchtlingscamps aufgewachsen ist (zum Teil sogar schon in zweiter Generation), weder auf die Schnelle, noch ohne internationale Zusammenarbeit passieren kann.

Quellen:
MAYR, Silke. Norduganda und Südsudan: Verbindungen und Auswirkungen der beiden Bürgerkriege auf die junge Gesellschaft. Diplomarbeit Universität Wien, 2011
CIA-world-factbook, Stand: 16.4.2012
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