Archiv für den Monat September 2014

die ziege

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Ein Abschlussfest inklusive Ziege haben sich meine Arbeiter auf jeden Fall verdient – denn als vor einer guten Woche plötzlich alle ugandischen Fachkräfte unsere Baustelle verlassen haben, hätte ich mir nicht gedacht, dass ich nur mit Hilfsarbeitern noch so weit komme!

Welche Teile der Ziege mir – als Ehrengast – zugesprochen wurden, erläutere ich besser nicht…

noch einmal mahagoni

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Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, dass Martin, Johnson und Francis die ersten Fachwerksträger aus Mahagoni-Holz gefertigt haben. Aus dem selben Mahagoni-Holz wurden mittlerweile nach Hannes‘ Anleitung die ersten Möbel gefertigt – und sie stehen jetzt im Wartebereich und warten darauf, hineingelassen zu werden.

fast fertig

P1210591_1024Die Türen sind gestrichen, sämtliche Riegel montiert und der Boden wird bereits geputzt. Im großen und ganzen fehlt nicht mehr viel. Und da ich bereits in einigen Tagen den Südsudan verlassen werde, ist das auch gut so. Den allerletzten Schliff und das Einsetzen der Fenstergläser wird dann Matata vornehmen, wenn er wieder aus Uganda zurückgekehrt ist.

kleinigkeiten zwischendurch

P1210516_1024So zwischendurch nehm ich mir noch etwas Zeit für die kleinen feinen Sachen. Zum Beispiel für die Montage der Waschbecken in den Staff-Bädern.

bunte türen

P1210479_1024Die Stammeskämpfe zwischen Kukù und Madi sind bereits wieder am Abklingen, doch die ugandischen Facharbeiter sind noch nicht wieder zurückgekehrt.
Positive Überraschungen gibt es aber auch ohne Matata und co: das Vertrauen, das ich meinen Hilfsarbeitern mit der Entscheidung, trotzdem weiter zu arbeiten entgegengebracht habe, hat gefruchtet. So motiviert und verlässlich wie noch nie bestreiten sie mit mir die Zielgerade der Arbeit an den Gebäuden – sie pinseln und putzen drauf los, dass es mir fast nicht mehr geheuer ist. Sogar dann, wenn ich nicht auf der Baustelle bin.
Und so kehrt langsam zwischen unserem grauen Lehm die Farbe ein. Neben dem freundlicheren Erscheinungsbild haben die bunten Türen übrgens auch einen pragmatischen Hintergrund: sie sind eine Orientierungshilfe für jeden, der die Raumbezeichnungen nicht lesen kann – laut Statistik mehr als zwei Drittel der über 16 jährigen Südsudanesen.

krieg und farbe

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Was jetzt wirklich in welcher Farbe angestrichen werden soll, ist mittlerweile ein bisschen außer Kontrolle geraten, doch meine Hilfsarbeiter sind erstaunlich motiviert am Pinseln.
Und ich bin recht stolz auf sie: während sehr viele andere junge Männer mit Macheten, Pfeil und Bogen in Richtung Grenze marschieren oder Jagd auf Madi machen, haben sie es schlussendlich vorgezogen, weiter auf unserer Baustelle zu arbeiten und nicht zu kämpfen – eine Entscheidung, die hier leider nicht selbstverständlich ist.

kukù und madi

Der Grenzkonflikt zwischen Kukù und Madi scheint sich leider zuzuspitzen: In Moyo machen Madi Jagd auf Kukù und hier ist es umgekehrt. Während ich die Situation für mich selbst nach wie vor als nicht zu gefährlich einschätze, haben es meine ugandischen Facharbeiter doch vorgezogen, über die Grenze zu fliehen und das Geschehen aus Uganda zu beobachten. Für mich gibt’s dadurch eine neue Herausforderung: auf der Baustelle gibt’s nur mehr 14 Hilfsarbeiter und mich.

apollo’s türen

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Fürs Einpassen der Türen haben wir uns Unterstützung aus der Missions-Tischlerei Lomin geholt: Apollo – der die Türblätter auch schon vorgefertigt hat – arbeitet unglaublich schnell, verlässlich und exakt.
Für Handkreissäge, Elektro-Hobel und Co muss er übrigens nicht einmal den Generator starten, denn mittlerweile ist unsere neue Solaranlage schon voll im Einsatz!

gelbe fenster

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Nachdem er einige Wochen krank war ist unser treuer Hilfsarbeiter Lukule wieder zurück auf der Baustelle und zeigt sein Geschick beim Anpinseln der Fensterrahmen.

vlies und decken

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Bei der Arbeit an der Käranlage wird mir von der Zeit im Flüchtlingscamp erzählt: das Schutzvlies für die EPDM-Folie im Wetland erinnere nämlich an Decken, die von der UNHCR für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden.

Doch während unsere Arbeiter recht unbeschwert und locker von ihrem vergangenen Flüchtlings-Leben erzählen, ist die Thematik wenige Kilometer entfernt durchaus aktuell. Denn gerade gestern wurden Hunderte südsudanesischer Kukù-people aus dem benachbarten District Moyo (Uganda) vertrieben, da ein alter Grenzkonflikt zwischen den Stämmen Kukù und Madi plötzlich wieder am Aufflammen ist.

wetterbericht

Kleines Update für alle, die einen Hang in diese Richtung haben: Seitdem die angekündigte viertägige Regenperiode vorbei ist, scheint wieder den ganzen Tag die Sonne…

langsam wird’s

P1210364_1024So langsam ändert sich das Ambiente der Räume – aus unserer Baustelle werden schon fast fertige Räume: Der Innenputz ist fertig, die Deckenträger sind lackiert, Elektriker und Installateur sind fleißig am Arbeiten und in den ersten Räumen gibt’s schon einen Boden. Das heißt aber noch lange nicht, dass es nichts mehr zu tun gäbe…

boden

P1210366_1024Das Herstellen glatter Zementoberflächen als Fußboden ist eine Arbeit, bei der die wahre Passion unserer Maurer ans Tageslicht kommt. Wahrscheinlich ist vor allem die Engelsgeduld mit der sie sich die nötige Zeit für die unterschiedlichen Arbeitsschritte dieser Spachelung nehmen der Schlüssel zur Qualität, über die ich nur staunen kann.

vorhänge

P1210334_1024Mitten im Chaos unserer Baustelle probiert Silva zwischen den Maureren, die gerade mit dem Oberflächen-Finish der Zement-Böden beginnen, seelenruhig die handgewobenen Vorhänge aus – und erntet dabei neugierige, erstaunte und vor allem zustimmende Blicke.

regenwasser

P1210299_1024Eigentlich wollten wir heute bereits die PTU der Kläranlage betonieren, doch die viertägige Sintflut ist noch nicht vorbei. Da unsere Hilfsarbeiter beim Pumpen des fürs Betonieren nötigen Wassers jedoch ziemliche Motivationsprobleme haben, machen wir das Beste aus dem Regenwetter und leiten das Wasser der Regenrinne mit allem möglichen was auf einer Baustelle so herum liegt durchs neue Kanalsystem direkt bis zur PTU.

Obwohl es beim Wassersammeln offensichtlich noch Optimierungspotential gäbe, haben wir – mit kräftiger Unterstützung des matat lo pyong – über 2m3 in einer halben Stunde geschafft.

wettervorhersage

P1210247_1024Es ist zwar Regenzeit, doch so richtigen Dauerregen gibt’s normalerweise nicht. Warum uns heute jedoch der Regen schon den ganzen Tag am Arbeiten hindert, hat mir unsere Köchin Rosi Mama beim Mittagessen erklärt: gestern sei die Frau des matat lo pyong – des Regenmachers – verstorben. Und darum ist jetzt viertägiger Regen angesagt.

Immerhin: der erste Tag war ein Volltreffer.

lehm und guli

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50 Meter neben dem hellgrauen Innenputz-Lehm – also auch recht nah an unserer Baustelle – kommt dunkelgrauer Lehm vor, der gute Eigenschaften für den Aussenputz aufweist. Um eine möglichst resistente Oberfläche zu erhalten, bewegen wir uns zwischen Tradition und Neuerung: dem lokal gebräuchlichen Rezept entsprechend mischen die Frauen den Lehm mit Muna an, einem Beiprodukt aus der lokalen Guli-Produktion (ein Destillat aus der Cassava-Wurzel).
Um die Lehmoberflächen mit Hilfe natürlicher Produkte noch ein bisschen besser vor der Witterung zu schützen, geben wir außerdem bei den letzten beiden Schichten noch einen Schuß Leinöl dazu.

make it smooth

P1210144_1024Mit einem glatten Stein aus dem nahe gelegenen Sanga-Stream wird die letzte Schicht der Lehmoberflächen fein verrieben und verdichtet – eine traditionelle Technik, bei der eine glatte, rissfreie Oberfläche entsteht, die nicht nur technisch einwandfrei ist, sondern auch die optischen und haptischen Qualitäten des Lehms gekonnt ausspielt.

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